Auf fast jeder Landkarte steht eine Zahl wie 1:40.000.000 oder 1:3.600.000 – meist klein gedruckt am Rand oder in der Produktbezeichnung. Sie wirkt technisch, ist aber die wichtigste Kennzahl einer Karte: Sie entscheidet darüber, wie groß das dargestellte Gebiet ist, wie viel darauf zu erkennen ist und ob eine Karte zu Ihrem Zweck passt. Dieser Beitrag erklärt, was hinter der Zahl steckt.
Was der Maßstab genau aussagt
Der Maßstab ist ein Verhältnis: Er vergleicht eine Strecke auf dem Papier mit derselben Strecke in der Wirklichkeit. Die Angabe 1:3.600.000 bedeutet nichts anderes als: Was auf der Karte einen Zentimeter lang ist, misst in der Natur 3.600.000 Zentimeter.
Diese Zahl lässt sich leicht in eine handliche Einheit umrechnen. 3.600.000 Zentimeter sind 36.000 Meter, also 36 Kilometer. Ein Zentimeter auf dieser Karte entspricht damit 36 Kilometern in der Landschaft.
Für die Weltkarte im Maßstab 1:40.000.000 gilt dieselbe Rechnung: 40.000.000 Zentimeter sind 400.000 Meter oder 400 Kilometer. Ein Zentimeter auf dieser Karte deckt also die Strecke von Hamburg nach Frankfurt ab.
Faustregel: Teilen Sie die Maßstabszahl durch 100.000, dann erhalten Sie sofort die Kilometer, die einem Zentimeter entsprechen. 3.600.000 geteilt durch 100.000 ergibt 36. Bei 40.000.000 sind es 400.
Wichtig dabei: Der Maßstab hat keine Einheit. Das Verhältnis gilt genauso für Zoll, Millimeter oder Meter. Ein Millimeter auf der Europakarte entspricht 3,6 Kilometern, ein Meter auf der Karte entspricht 3.600 Kilometern in der Wirklichkeit.
Großer oder kleiner Maßstab? Der häufigste Irrtum
Hier stolpern viele, und zwar aus einem nachvollziehbaren Grund: Umgangssprachlich klingt „1:40.000.000“ nach einer großen Zahl. Fachlich ist es ein kleiner Maßstab. Der Grund liegt in der Bruchrechnung – 1/25.000 ist ein größerer Wert als 1/40.000.000.
Drei Blätter gleicher Größe, drei Maßstäbe: Je kleiner der Maßstab, desto mehr Raum passt auf dasselbe Papier – und desto weniger ist darauf zu unterscheiden. Praktisch merkt man es sich so:
- Großer Maßstab (etwa 1:25.000): kleines Gebiet, viele Details. Einzelne Straßen, Waldstücke und Gebäude sind zu erkennen.
- Kleiner Maßstab (etwa 1:40.000.000): großes Gebiet, wenige Details. Ganze Länder schrumpfen auf wenige Zentimeter.
Damit eine Karte im kleinen Maßstab lesbar bleibt, muss die Kartografie vereinfachen. Flüsse werden begradigt, Küstenlinien geglättet, Orte weggelassen. Dieses bewusste Auswählen nennt man Generalisierung. Eine Weltkarte zeigt deshalb keine Kreisstraßen – nicht weil die Daten fehlen, sondern weil sie bei dieser Verkleinerung als schwarzer Fleck enden würden.
Beispiel Weltkarte: 1:40.000.000
Die Weltkarte physisch/politisch misst 100 × 70 cm und ist im Maßstab 1:40.000.000 gedruckt. Rechnet man die Blattbreite hoch, wird schnell klar, warum gerade dieser Maßstab gewählt wurde: 100 Zentimeter mal 400 Kilometer ergeben 40.000 Kilometer. Der Erdumfang am Äquator beträgt rund 40.075 Kilometer.
Die gesamte Erde passt also gerade so auf ein Blatt von einem Meter Breite. Für die Darstellung heißt das: Deutschland ist auf dieser Karte etwa 1,6 Zentimeter breit und 2,2 Zentimeter hoch – kleiner als eine Briefmarke. Hauptstädte werden zu Punkten, für Autobahnen oder Bahnstrecken bleibt kein Platz.
Beispiel Europakarte: 1:3.600.000
Die Europakarte Eisenbahn und Fähren misst 97 × 119 cm im Maßstab 1:3.600.000. Bei 36 Kilometern je Zentimeter deckt das Blatt rund 3.500 Kilometer in der Breite und etwa 4.300 Kilometer in der Höhe ab – von Nordskandinavien bis ans Mittelmeer und vom Atlantik bis weit nach Osteuropa.
Deutschland nimmt hier etwa 18 × 24 Zentimeter ein, also gut elfmal so viel Länge wie auf der Weltkarte. Erst dieser Platz macht es möglich, Hochgeschwindigkeitsstrecken von Nebenbahnen zu unterscheiden, Fährlinien einzuzeichnen und Städtenamen lesbar zu setzen. Genau daran zeigt sich der Zusammenhang: Der Maßstab bestimmt, welcher Inhalt überhaupt darstellbar ist.
Warum krumme Zahlen wie 1:3.600.000?
Runde Maßstäbe wie 1:1.000.000 wirken naheliegend, sind in der Praxis aber die Ausnahme. Der Grund: Der Maßstab ist meist das Ergebnis einer Rechnung, nicht ihr Ausgangspunkt.
Am Anfang stehen zwei Vorgaben – das Gebiet, das die Karte zeigen soll, und das Blattformat, das gedruckt und gehängt werden kann. Aus dem Verhältnis dieser beiden Größen ergibt sich der Maßstab. Soll ein Kontinent auf ein bestimmtes Papierformat passen, kommt eben 1:3.600.000 heraus und nicht 1:3.500.000.
Deshalb finden Sie im Sortiment auch Werte wie 1:8.000.000 für Afrikakarten oder 1:8.300.000 für die postalische Variante desselben Kontinents: Andere Randbereiche und andere Formate führen zu anderen Maßstäben.
Flächen verhalten sich anders als Strecken
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Der Maßstab bezieht sich immer auf Längen. Flächen ändern sich im Quadrat.
- Bei 1:3.600.000 steht ein Quadratzentimeter für 36 × 36 Kilometer, also rund 1.300 Quadratkilometer.
- Bei 1:40.000.000 steht derselbe Quadratzentimeter für 400 × 400 Kilometer, also 160.000 Quadratkilometer.
Zwischen beiden Karten liegt beim Längenmaß der Faktor elf – bei der Fläche jedoch der Faktor 123. Wer Gebiete auf einer Karte optisch vergleichen möchte, sollte diesen Unterschied kennen.
Der Maßstab gilt nicht auf der ganzen Karte gleich
Streng genommen ist der aufgedruckte Maßstab bei großräumigen Karten eine Näherung. Die Erde ist eine Kugel, das Papier ist flach – jede Übertragung verzerrt. Der angegebene Maßstab stimmt deshalb nur entlang bestimmter Linien exakt, meist am Äquator oder am Mittelmeridian. Andernorts weicht er ab, bei manchen Weltkarten in hohen Breiten sogar erheblich.
Bei Länder- und Regionalkarten ist dieser Effekt so gering, dass er im Alltag keine Rolle spielt. Bei Weltkarten lohnt der Blick auf die verwendete Projektion. Warum das mehr als eine Detailfrage ist, haben wir im Beitrag zu flächentreuen Weltkarten beschrieben.
Zahlenmaßstab und Maßstabsleiste
Viele Karten tragen beides: die Verhältniszahl und eine kleine beschriftete Leiste am Kartenrand. Beide sagen dasselbe aus, verhalten sich aber unterschiedlich, sobald die Karte ihre Größe ändert.
Der Zahlenmaßstab gilt ausschließlich für den Originaldruck. Wird eine Karte kopiert, verkleinert, als Datei am Bildschirm betrachtet oder auf ein anderes Format ausgegeben, stimmt die Angabe nicht mehr. Die Maßstabsleiste schrumpft oder wächst dagegen mit und bleibt in jeder Größe korrekt. Für Messungen an einer skalierten Karte ist sie deshalb die verlässlichere Angabe.
Welcher Maßstab passt zu welchem Zweck?
Als grobe Orientierung – die tatsächlichen Werte variieren je nach Verlag und Format:
- Stadtpläne und Wanderkarten bewegen sich meist zwischen 1:15.000 und 1:50.000. Einzelne Straßen und Wege sind erkennbar.
- Regional- und Straßenkarten liegen häufig bei 1:200.000 bis 1:500.000 – geeignet für die Fahrtplanung innerhalb einer Region.
- Länderkarten für die Wand liegen je nach Land und Format oft im Bereich um 1:700.000 bis 1:1.500.000.
- Kontinentkarten arbeiten mit Werten zwischen etwa 1:3.000.000 und 1:9.000.000.
- Weltkarten bewegen sich üblicherweise zwischen 1:30.000.000 und 1:60.000.000.
Für die Auswahl hilft eine einfache Überlegung: Überlegen Sie zuerst, was Sie auf der Karte erkennen wollen – einzelne Orte, Landkreise, Länder oder Kontinente. Daraus ergibt sich der nötige Maßstab, und aus dem Maßstab die Blattgröße. Umgekehrt gilt: Steht die Wandfläche fest, können Sie den Ausschnitt daran anpassen.
Vom Maßstab zur Wandgröße
Die Rechnung funktioniert auch andersherum. Teilen Sie die gewünschte Ausdehnung des Gebiets durch die Maßstabszahl, dann erhalten Sie die Blattgröße. Ein Beispiel: Nordrhein-Westfalen misst rund 290 Kilometer von Nord nach Süd. Bei 1:500.000 wären das 58 Zentimeter Blatthöhe, bei 1:250.000 bereits 116 Zentimeter.
Wenn ein bestimmter Ausschnitt in einem bestimmten Maßstab gebraucht wird, den es so nicht im Sortiment gibt, lässt sich eine Karte auch individuell erstellen – etwa über landkarten-manufaktur.de.
Häufige Fragen zum Kartenmaßstab
Was bedeutet 1:40.000.000?
Ein Zentimeter auf der Karte entspricht 40.000.000 Zentimetern in der Wirklichkeit, also 400 Kilometern. Dieser Maßstab wird typischerweise für Weltkarten verwendet.
Ist 1:25.000 ein großer oder ein kleiner Maßstab?
Ein großer. Je kleiner die Zahl hinter dem Doppelpunkt, desto größer der Maßstab und desto mehr Details sind auf der Karte zu sehen – bei entsprechend kleinerem dargestelltem Gebiet.
Wie rechne ich eine Entfernung von der Karte in Kilometer um?
Messen Sie die Strecke in Zentimetern und multiplizieren Sie sie mit den Kilometern, die einem Zentimeter entsprechen. Bei 1:3.600.000 sind das 36 Kilometer je Zentimeter: 4,5 gemessene Zentimeter ergeben 162 Kilometer.
Welcher Maßstab eignet sich für eine Deutschlandkarte im Büro?
Das hängt vom Zweck ab. Für eine Übersicht mit Bundesländern und größeren Städten genügt ein kleinerer Maßstab; sollen Landkreise oder fünfstellige Postleitzahlgebiete unterscheidbar sein, braucht es einen größeren Maßstab und damit ein größeres Format.
Stimmt der Maßstab auf einer Weltkarte überall?
Nein, nur näherungsweise. Weil eine Kugeloberfläche nicht verzerrungsfrei auf eine Ebene übertragen werden kann, gilt der angegebene Maßstab exakt nur entlang bestimmter Linien der Karte.
Unsicher bei der Auswahl?
Ob ein Maßstab für Ihren Einsatzzweck ausreicht, lässt sich am schnellsten im Gespräch klären. Wir sagen Ihnen offen, welche Karte zu Ihrem Vorhaben passt – und welche nicht. Sie erreichen uns Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr unter +49 2562 18749-20 oder über das Kontaktformular.
Illustrationen: p17 GmbH – Geschäftsbereich Geomarketing und Landkarten. Geometriegrundlage der Skizzen: Natural Earth (gemeinfrei). Die Skizzen sind schematisch und nicht maßstabsgetreu gedruckt.